„Überlebenschance gering“

Wild mit den Armen rudernd ruft Roger Schwartz um Hilfe, er ist ins Eis eingebrochen und droht zu ertrinken. Was sehr häufig tödlich endet, ist hier nur eine Übung. Als DLRG-Rettungstaucher ist Schwartz gut gegen das eiskalte Wasser geschützt, dessen Temperatur am Gefrierpunkt liegt. Nur zu Übungszwecken ist hier ein Loch ins Eis gesägt worden, in das er „eingebrochen“ ist, doch Hilfe naht.
Einsatzleiter Klaus Hopp und das Jugendeinsatzteam der Wuppertaler DLRG beobachten aufmerksam den Ablauf und jeden Handgriff. „Die DLRG hält ihre ehrenamtlichen Einsatzkräfte nicht nur im Sommer vor, denn als Rettungsorganisation sind wir das ganze Jahr in den Katastrophenschutz eingebunden und trainieren hier für den Ernstfall im Winter – heute die Rettung und Bergung einer ins Eis eingebrochenen Person, die sich nicht mehr selbst befreien kann,“ erklärt Hopp. Hierfür probt die DLRG zwei unterschiedliche Szenarien. „Zunächst üben wir die Rettung mit einem Rettungsbrett, dem sogenannten Spineboard, danach die Rettung mit Leitern.“
Schnell auf den Knien rutschend, nähern sich die Strömungsretter Andre Köther und Sebastian Liefke mit einem dem Surfbrett ähnelnden Spineboard ihrem im Eiswasser schwimmenden Kollegen und ziehen ihn auf das Brett. Dann werden die Retter und das „Opfer“ an Leinen ans Ufer gezogen.
Danach muss Schwartz ein weiteres Mal ins Wasser, um das „Opfer“ zu spielen. Mit hintereinander gebundenen Leitern wird nun die Eisfläche zu ihm überbrückt, Roger auf die Sprossen gewuchtet und mit seinen Rettern erneut an Land gezogen. Übung gelungen! „Diese Einsätze sind vermeidbar,“ weiß ein Sprecher der DLRG und warnt vor dem Betreten zugefrorener Gewässer. „Bei Wassertemperaturen um den Gefrierpunkt ist die Überlebenschance ziemlich gering. Im eiskalten Wasser versagen schnell die Kräfte, danach wird die eingebrochene Person bewusstlos und ertrinkt.“
Nach der Übung fasst Klaus Hopp seine Beobachtungen zusammen: „ Das Zusammenspiel zwischen den Strömungsrettern, dem Sicherungstrupp und dem ’Opfer’ hat professionell geklappt, damit dies auch so bleibt, müssen wir es immer wieder üben“, und ergänzt einen Appell: „Für die Zukunft wünschen wir uns neue Mitglieder, die uns unterstützen. Interessenten sind unter www.wuppertal.dlrg.de willkommen.“

Foto: Riechmann

Wuppertaler Rundschau
22.02.2012